Du sagst ihm, dass du dich um ihn sorgst, indem du für ihn kochst, seine Wäsche wäschst, an alles denkst. Er zeigt dir seine Liebe, indem er dir hilft, wenn etwas kaputt ist, oder dir sagt, wie stolz er auf dich ist. Und trotzdem fühlt sich das für dich manchmal nicht wie genug an.
Das kann daran liegen, dass ihr zwei unterschiedliche Sprachen sprecht, wenn es um Liebe geht.
Ein Konzept, das vieles erklärt
Der Paartherapeut Gary Chapman hat vor Jahrzehnten ein Modell entwickelt, dass bis heute vielen Paaren hilft, sich selbst und einander besser zu verstehen: die fünf Sprachen der Liebe. Sein Grundgedanke ist einfach, aber wirkungsvoll: Jeder Mensch nimmt Liebe auf eine bestimmte Art am stärksten wahr und diese Art unterscheidet sich oft zwischen den Partnern.
Die fünf Sprachen sind: Lob und Anerkennung, Zeit zu zweit, Geschenke, Hilfsbereitschaft und körperliche Nähe.
Ich merke in meiner Arbeit immer wieder, wie viel Erleichterung dieses einfache Bild bringen kann. Es löst nicht alles, aber es rückt einen Streit oft in ein ganz anderes Licht.
Sprecht ihr wirklich dieselbe Sprache?
Stell dir vor, deine Sprache ist Zeit zu zweit. Du sehnst dich danach, dass ihr euch bewusst Momente nehmt ohne Ablenkung. Also nur ihr beide.
Sein Ausdruck von Liebe ist Hilfsbereitschaft. Er räumt die Küche auf, erledigt die Steuer für dich und kümmert sich um das Auto, damit du entlastet bist.
Er liebt dich wirklich. Aber du spürst es nicht, weil du auf eine andere Sprache wartest.
Das ist bei keinem von euch beiden böser Wille. Es ist ein Missverständnis, das sich über Jahre einschleichen kann, wenn man nicht offen darüber spricht. Oder selbst gar nicht weiß welche Sprache man vom Partner erwartet.
Was das mit euch als Eltern zu tun hat
Mit Kindern wird das oft noch komplizierter. Der Alltag ist voll, die Energie begrenzt, und häufig bleibt genau die Sprache auf der Strecke, die dir am meisten bedeutet. Wenn deine Sprache körperliche Nähe ist und ihr beide abends nur noch erschöpft nebeneinander liegt, fehlt dir etwas, das schwer in Worte zu fassen ist.
Umgekehrt kann es sein, dass du deinem Partner ständig deine Sprache anbietest ohne dass er merkt, wie viel Liebe darin steckt, weil er selbst auf eine andere Sprache wartet.
Warum das Wissen allein noch nicht reicht
Die fünf Sprachen der Liebe sind ein guter erster Gedankenanstoß, mehr aber auch nicht. Zu wissen, dass du „Zeit zu zweit“ brauchst, verändert noch nicht automatisch euren Alltag. Und zu wissen, dass dein Partner „Hilfsbereitschaft“ braucht, heißt nicht, dass es dir leicht fällt, das auch so zu geben.
Aus meiner systemischen Sicht kommt noch etwas dazu: Wie wir Nähe zeigen und wie wir sie brauchen, hat oft tiefere Wurzeln als nur unsere Persönlichkeit. Es hängt auch damit zusammen, was wir in unserer Herkunftsfamilie über Nähe, Zuwendung und Liebe gelernt haben, meist unbewusst. Manche Menschen mussten sich Zuwendung erarbeiten, andere haben sie über Worte erfahren, wieder andere über Fürsorge und manche gar nicht. Diese frühen Prägungen wirken bis heute mit, wenn du dich fragst, warum dir eine bestimmte Geste so viel bedeutet und eine andere kaum berührt.
Der erste Schritt
Bevor du mit deinem Partner über eure Liebessprachen sprichst, lohnt es sich, für dich selbst zu klären: Was brauche ich eigentlich wirklich, um mich geliebt zu fühlen? Und wo habe ich das vielleicht nie richtig ausgesprochen, weil ich davon ausgegangen bin, dass er es einfach wissen müsste?
Aus dieser Klarheit heraus wird ein Gespräch mit deinem Partner oft leichter, weil du nicht mehr nur sagst, was er falsch macht, sondern was du wirklich brauchst.
Wenn du merkst, dass du dir mehr Nähe wünschst und spürst, dass es um mehr geht als um ein einzelnes Gespräch, ist „Starke Frauen, starke Beziehung“ der Raum, in dem wir gemeinsam tiefer gehen können.
