Einsam trotz Familie – wenn du dich in deiner Beziehung allein fühlst

Es gibt ein Gefühl, über das kaum eine Frau offen spricht. Es hat auch keinen wirklich griffigen Namen, außer vielleicht diesen: einsam sein, mitten in einer vollen Familie.

Du bist den ganzen Tag umgeben von Menschen. Deine Kinder, die an dir kleben, und ein Partner, der neben dir sitzt, wenn der Abend kommt. Trotzdem ist da dieses Gefühl, als würde dich gerade niemand wirklich sehen. 

Dieses Gefühl begegnet mir in meiner Arbeit immer wieder, oft bei Frauen, die sich dafür fast entschuldigen, bevor sie es überhaupt aussprechen.

Info: KI generiert

Warum das nichts mit Undankbarkeit zu tun hat

Viele Frauen schämen sich für dieses Gefühl. Sie haben doch alles, was sie sich gewünscht haben: eine Familie, einen Partner, Kinder. Wie kann man sich dabei einsam fühlen?

Aber Einsamkeit in einer Beziehung hat nichts damit zu tun, ob du dankbar bist für das, was du hast oder nicht. Sie entsteht dort, wo emotionale Nähe fehlt, auch wenn körperliche Nähe im Alltag ständig gegeben ist. Man kann nebeneinander leben und sich trotzdem fremd sein.

Interessant ist, dass dieses Phänomen inzwischen auch wissenschaftlich untersucht wird. Eine aktuelle Parship-Studie zu Einsamkeit in Beziehungen kam zu dem Ergebnis, dass sich ein spürbarer Teil der Menschen in einer festen Partnerschaft eher bis äußerst einsam fühlt, obwohl das zunächst wie ein Widerspruch klingt. Schließlich lebt man ja in einer Partnerschaft. Der Psychologe, der die Studie begleitet hat, bestätigt: Dieses Gefühl ist selten, aber es kommt deutlich häufiger vor, als man denkt. 

Du bist mit diesem Gefühl also wirklich nicht allein, auch wenn es sich genau danach anfühlt.

Woher dieses Gefühl oft kommt

Häufig hat sich über die Zeit eine Dynamik eingeschlichen, in der Gespräche oberflächlich bleiben. Du sprecht über den Kindergarten, den Einkauf, das Wochenende, den Job, die Arbeitskollegen, die Umstände in der Welt, aber nicht mehr über das, was euch wirklich bewegt.

Die Ursache liegt manchmal auch tiefer. In meiner Arbeit beschäftige ich mich viel mit dem Thema Bindung, mit dem, was wir schon als Kind über Nähe lernen und ob sie sich sicher oder verlässlich anfühlt. Dieses früh gelernte Muster trägt sich oft unbemerkt in unsere erwachsenen Beziehungen weiter, selbst dann, wenn der Partner eigentlich da und zugewandt ist. Es kann sich anfühlen wie eine innere Unruhe, ein Verlangen nach mehr Nähe, das der andere gar nicht stillen kann, weil es aus einer viel älteren Erfahrung stammt.

Was dagegen hilft

Der erste Schritt ist meistens nicht ein großes Gespräch mit dem Partner. Der erste Schritt ist die Klärung für dich selbst: Was brauche ich eigentlich gerade? Warum fällt es mir so schwer, das auszusprechen?

Aus dieser inneren Klarheit heraus verändert sich oft auch das, was zwischen euch möglich wird. Nicht, weil du plötzlich die perfekten Worte findest, sondern weil du selbst klarer weißt, worum es dir wirklich geht.

Ich arbeite in meiner Begleitung genau an diesem Punkt. Nicht an Kommunikationstechniken, die du dir antrainierst, sondern an dem, was darunterliegt: deinen Mustern, deinen Prägungen, dem, was Nähe für dich bedeutet und warum sie sich manchmal so schwer anfühlt. Systemisch, mit Blick auf das große Ganze deiner Beziehung und deiner Familie.

Wenn du dich in diesem Gefühl wiedererkennst, wenn du mitten in deiner Familie stehst und dich trotzdem manchmal allein fühlst, bist du herzlich willkommen, in einem geschützten Rahmen genauer hinzuschauen. Du musst nicht warten, bis es unerträglich wird. Manchmal reicht schon ein einzelnes klärendes Gespräch, um wieder Boden unter den Füßen zu spüren.

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